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30.04.1945 - Tag der Befreiung

Offener Brief an die Vereinsmitglieder   

München, 30. April 2020

75 Jahre – Tag der Befreiung – weiße Fahnen für Frieden und Freiheit, gegen Krieg, Hass und Gewalt

unter diesem Motto findet heute eine münchenweite Aktion statt, die an den Einmarsch der US-Army am 30. April 1945 in München erinnern, die Befreiung seiner Bewohner von der Nazi-Diktatur feiern und damit ein "Zeichen für Frieden und Freiheit, gegen Krieg, Hass und Gewalt" setzen will (https://tagderbefreiung.online).

Auch der Verein für Fraueninteressen e.V. hat heute allen Grund zu feiern und lässt aus den Büroräumen in der Thierschstraße und in der Rumfordstraße weiße Tücher wehen. Denn vor genau 75 Jahren, im 51. Jahr seines Bestehens, konnte unser Verein seine Wiedergeburt feiern. Zuvor war er nach 1933 eines langsamen Todes gestorben. Trotz mehrfacher Androhung entging er zwar dem Verbot oder der Auflösung, war aber spätestens seit 1936 zur Untätigkeit verurteilt. Für seine politischen Ziele konnte er nicht mehr eintreten, seine zahlreichen jüdischen Mitglieder wurden ausgegrenzt, in die Emigration gezwungen, in den Selbstmord getrieben oder deportiert. Er musste das Gabrielenheim in Tutzing und das Luisenhaus in Schwabing an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt übergeben. Im Jahr 1944 schließlich wurden die Geschäftsstelle und das umfangreiche Archiv des Vereins bombardiert und komplett zerstört.

Gleich nach dem 30. April war der Verein aus dem Stand heraus wieder aktiv und lebendig. Renate Lindemann hat dies in der Festschrift zum 100. Geburtstag des Vereins ausführlich beschrieben. Der Verein engagierte sich für Flüchtlinge, kämpfte um die Rückgabe sozialer Einrichtungen an den Verein und andere freie Träger. Im Oktober 1945 hatte er sich eine neue Satzung gegeben, mit der er an die demokratische Tradition aus der Zeit von Anita Augspurg, Ika Freudenberg und Luise Kiesselbach anknüpfte. Auch die sich über mehrere Jahre hinziehende Wiederbegründung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in München und Bayern war ein maßgebliches Verdienst des Vereins, insbesondere das der 2. Vorsitzenden Dr. Anna Heim-Pohlmann.

Von den vielen Aktivitäten des Vereins und des Verbandes möchten wir heute eine herausstellen, die Anna Heim-Pohlmann in ihren Erinnerungen an diese Zeit "Liebesgabenverteilung" nannte.  Damit war die Weitergabe von Sachspenden gemeint, die wir heute in erster Linie mit den Care-Paketen in Verbindung bringen. Nicht weniger überlebenswichtig waren die Quäkerspeisungen, die von Vereinsfrauen in München mit- organisiert wurden. Diese Beispiele waren Zeichen internationaler Solidarität, an die wir uns gerade heute dankbar erinnern  wollen. Zusammenhalt und Zusammenarbeit in der Stadtgesellschaft, in unserem Land zwischen den Nationen in Europa und weltweit, das sind die Lehren aus der Geschichte, die wir gerade in Krisenzeiten beherzigen müssen. Dafür wollen der Verein, seine Mitglieder und Einrichtungen auch in Zukunft eintreten.

In diesem Sinne grüßen wir Sie herzlich 

Inga Fischer, Brigitte Rüb-Hering, Christa Elferich für den Vorstand
und Antje Wiedmann für die Geschäftsstelle

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